Künstlerportrait über Astrid Baenziger von

Kabarettist, Schauspieler und Drehbuchautor Beat Schlatter

im Interview mit dem Moderator Christian Zeugin,

Radio SRF1 vom 23.11.2025

www.beatschlatter.ch

Christian Zeugin: Im heutigen Künstler-Portrait geht es um eine Appenzeller Künstlerin, die aber schon lange in Bern lebt und arbeitet und die du erst vor Kurzem entdeckt hast.

Beat Schlatter: Richtig. Es geht um die Künstlerin Astrid Baenziger. Eine Kollegin sagte mir, wenn du das nächste Mal in Bern bist, musst du unbedingt in das Brillengeschäft Bärtschi gehen und dir die Ausstellung der Künstlerin Astrid Baenziger anschauen!

Christian Zeugin: Und? Bist du gegangen? Du bist doch sonst sehr skeptisch, wenn Kunst ausserhalb von Kunsträumen gezeigt wird.

Beat Schlatter: Ja, das stimmt. An einer Vernissage im Wartezimmer eines Dermatologen triffst du mich eher selten an.

Christian Zeugin: Ich denke, da müsste auch ich schon jahrelang mit einer Künstlerin, einem Künstler sehr gut befreundet sein oder jahrelang Patient bei diesem Dermatologen sein. Also du hast die diese Ausstellung dann angeschaut?

Beat Schlatter: Ich habe sie angeschaut, weil ich mich auch noch für eine Brille interessiert habe und ich muss sagen, ich bin tief beeindruckt gewesen! Und wenn man sich diese Ausstellung von Astrid Baenziger jetzt noch anschauen könnte, würde ich Dir sofort, noch heute, einen Marschbefehl schreiben!

Christian Zeugin: Was hat Dir denn so gut an diesen Bildern gefallen?

Beat Schlatter: Um ehrlich zu sein, ich bin sehr schlecht im Schätzen. Ich sage jetzt mal, ich habe etwa 45 Acryl-Collagen in diesem Geschäft gesehen, die alle eine eigene Geschichte erzählen mit einer symbolischen Kraft. Manche Bilder waren humorvoll, einige frech und andere haben mich berührt. Auf ihren Bildern sieht man ausschliesslich positive Darstellungen. Ich habe irgendwo von Ihr gelesen: «Negatives gibt es schon genug!» Und trotzdem die Spannbreite Ihrer Ideen, Ihrer Bilder ist sehr, sehr reichhaltig.

Christian Zeugin: Ich merke, wie es Dir so richtig Freude bereitet, an dem, was Du da gesehen hast. Was ist es denn genau, was Dir beim Betrachten Ihrer Bilder so gute Laune macht?

Beat Schlatter: Einmal sicher ihre kräftigen Farbbestimmungen und ihre Farbkombinationen. Wie sie erkennbare Personen wie Brad Pitt oder Steve McQueen oder Dürrenmatt in eine herrliche Winterwelt oder blühende Frühlingsszene integriert, die in Einem vergangene, bekannte Emotionen auslöst. Ähnlich wie ein Lied, dass man einmal zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten, bedeutenden Ort gehört hat und das einen später beim Hören, in diesem Falle beim Betrachten, wieder an diese Zeit und an diesen Ort erinnert.

Christian Zeugin: Du sagtest, diese bestimmte Ausstellung sei vorbei und man könne diese Ausstellung nicht mehr anschauen gehen. Gibt es denn irgend eine andere Möglichkeit, wie man an die Bilder von Astrid Baenziger gelangen kann?

Beat Schlatter: Ja, das wollte ich dann natürlich genauer wissen und habe sie gegoogelt. Sie hat in Bern eine eigene Galerie. Die Galerie Art & Eigensinn. Sie hat früher in dieser Galerie auch andere Künstler gezeigt und ausgestellt. Einerseits aufgrund des immensen Aufwands, aber auch wegen ihrem eigenen Erfolg, dient die Galerie heute für eine Dauerausstellung Ihrer eigenen Werke, natürlich mit immer wieder wechselnden Bilder von Ihr.

Christian Zeugin: Ich nehme an, wenn man Astrid Baenziger oder Galerie Art & Eigensinn googelt, findet man Sie bestimmt sehr schnell! Mich interessiert aber trotzdem noch: In diesem Geschäft, hast du denn schlussendlich noch eine Brille gekauft?

Beat Schlatter: Nein, aber fast ein Bild. Es hat in dieser Ausstellung ein kleinformatiges Bild gehabt, dass mein Herz sofort berührt hat. Ein sehr stilles Bild, auf dem ein weitläufiges Mohnblumenfeld zu sehen ist. Im oberen Teil des Bildes sind die Kabel einer Telefonleitung zu sehen, auf denen ein Haufen kleine Vögel sitzen und sich vergnügt Neuigkeiten zuzwitschern. Ich habe aber feststellen müssen, dass dieses Bild leider bereits verkauft war.

Christian Zeugin: Dann hättest Du ja noch Geld für eine Brille gehabt!

Beat Schlatter: Hör zu, ich habe mich so lange in diesem Geschäft aufgehalten, dass ich zu spät bemerkt habe, dass die Angestellten bereits Feierabend hatten und nur noch anstandshalber gewartet haben, bis ich fertig mit dem Anschauen der Ausstellung bin. Wenn ich in diesem Moment jetzt noch damit angekommen wäre, ich würde mich noch für eine Brille interessieren, hätte ich dem Personal im Geschäft dort sehr wahrscheinlich keinen Dienst erwiesen. Ich habe mir aber vorgenommen, ein Geschäft, das lokale KünstlerInnen so gut in ihrem Sortiment integriert und unterstützt, zukünftig gerne mehr zu berücksichtigen.

 

 

 

 

 

Dauerausstellung von Astrid Baenziger

Kunstführungen nach

Vereinbarung jederzeit möglich.

astridbaenziger@gmx.net / +41 (0)79 293 79 44

www.astridbaenziger.ch

Zur Zeit werden keine Einzel-Ausstellungen externer Künstler:innen durchgeführt. Einzig nach Absprache mit der Künstlerin ist eine Kollaboration anderer Künstler:innen mit ihren Werken möglich.